Warum tragen alle Pilger weiße Kleider?

Die faszinierende Welt der Moslem-Pilgerfahrt

Der spirituelle Höhepunkt eines Muslims

Stell dir vor, du fragst dich, wo dein Nachbar ist, und plötzlich wird dir klar, dass er vielleicht in Mekka ist! Die Hadsch-Wallfahrt ist eine der fünf grundlegenden Pflichten im Islam. Jeder gläubige Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte mindestens einmal im Leben nach Mekka pilgern. Die Pilgerfahrt ist im Koran als eine religiöse Pflicht verankert und stellt den spirituellen Höhepunkt im Leben eines Muslims dar. Durch die Reise nach Mekka werden die Gläubigen zu den Ursprüngen des Islam geführt, an den Ort, an dem die Offenbarungen des Korans geschehen sein sollen.

Der Zugang nach Mekka ist ausschließlich Muslimen vorbehalten. Bei diesem einzigartigen Ereignis kommen Millionen von Muslimen aus aller Welt zusammen.

Weiße Kleider und strenge Regeln

Bevor die eigentliche Pilgerfahrt beginnt, unterziehen sich die Pilger einer rituellen Waschung und ziehen ihre Pilgergewänder an. Männer tragen zwei einfache, ungesäumte weiße Tücher, während Frauen ihren Körper und ihre Haare bedecken, aber ihre Hände und Gesicht frei lassen. Diese einheitliche Kleidung symbolisiert die Gleichstellung aller Gläubigen vor Gott und das Jüngste Gericht. Während der gesamten Hadsch-Zeit ist es den Pilgern untersagt, sich zu rasieren, Haare oder Fingernägel zu schneiden oder Parfüm zu verwenden. Auch Heirat und Geschlechtsverkehr sind während dieser Zeit nicht erlaubt.

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Ein strenger Ablauf und die Steinigung des Teufels

Die Hadsch beginnt am 8. Dhu l-Hiddscha, dem zwölften und letzten Monat des islamischen Kalenders, in Mekka. Der Ablauf der Wallfahrt ist genau vorgeschrieben. Ein Zug verbindet dabei die wichtigsten Orte der Wallfahrt.

Die eigentliche Zeremonie beginnt mit dem siebenmaligen Umwandern der Kaaba, dem zentralen Heiligtum in der Moschee von Mekka. Viele Gläubige berühren dabei den Schwarzen Stein oder küssen ihn. Anschließend sprechen die Pilger ihre persönlichen Gebete. Danach müssen sie siebenmal im Laufschritt zwischen den nahegelegenen Hügeln Safa und Marwa hin und her laufen, um an das verzweifelte Umherirren von Hagar, der Frau Abrahams, auf der Suche nach Wasser für ihren Sohn Ismael zu erinnern. Die Pilger trinken auch aus dem geheiligten Brunnen namens Zamzam, der laut Überlieferung von Gott selbst zur Rettung der beiden aus dem Wüstensand sprudelte.

Am nächsten Tag versammeln sich die Pilger auf dem Berg Arafat und verbringen dort die Zeit von Mittag bis nach Sonnenuntergang mit Meditation und Gebet, um Vergebung für ihre Sünden zu erbitten.

Am 10. des Monats feiern die Pilger im benachbarten Ort Mina das Opferfest, wie es Muslime weltweit tun. Dabei werfen sie sieben Steinchen auf drei steinerne Säulen, die den Teufel symbolisieren. Außerdem gedenken sie Abrahams Bereitschaft, einen seiner Söhne als Opfer darzubringen. Heutzutage lassen die Pilger in der Regel professionelle Firmen die Schlachtung der Tiere durchführen und das Fleisch unter bedürftigen Muslimen verteilen.

Am 12. Dhu l-Hiddscha enden die Pilger ihre Weihezeit, indem sie sich die Haare schneiden lassen. Anschließend kehren sie nach Mekka zurück und können sich normal kleiden. Viele Gläubige kehren an den letzten beiden Tagen nach Mina zurück, um erneut Steine zu werfen. Abschließend ist es üblich, die Kaaba nochmals siebenmal zu umrunden.

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1200 Gläubige aus der Schweiz

Nach offiziellen Angaben sind rund zwei Millionen Gläubige aus aller Welt in die heilige Stadt gekommen. Um den riesigen Ansturm bewältigen zu können, haben die saudischen Behörden strenge Vorbereitungen getroffen. Die Anzahl der Teilnehmer am Hadsch ist kontingentiert. Insgesamt dürfen etwa 1200 Muslime aus der Schweiz nach Mekka reisen. Die Hadsch-Reisen werden von verschiedenen Veranstaltern organisiert.

Eine teure Reise

Die Pilgerfahrt nach Mekka ist mit Kosten verbunden und nicht jeder kann sie sich leisten. Aufgrund der großen Nachfrage ist die Reise alles andere als billig. Laut dem Schweizer Fernsehsender SRF müssen Schweizer Pilger zwischen 4000 und 7000 Franken dafür bezahlen.

Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar

Die diesjährige Wallfahrt wird von der diplomatischen Krise zwischen Saudi-Arabien und Katar überschattet. Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate haben Anfang Juni die Grenze zu Katar geschlossen und werfen dem Emirat Unterstützung von Terror vor. Dennoch dürfen Pilger aus Katar laut einem Erlass von König Salman an der Hadsch-Wallfahrt teilnehmen. Der König hat sogar Privatjets für die Anreise zur Verfügung gestellt.

Angst vor Massenpanik

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, sind etwa 100.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Bei einer Massenpanik während der Wallfahrt vor zwei Jahren kamen laut offiziellen Angaben 769 Pilger ums Leben. Inoffiziell wird von rund 2000 Toten gesprochen. Auch in den Jahren zuvor gab es mehrere Zwischenfälle. Die Pilgerfahrt stellt aufgrund der enormen Teilnehmerzahlen große Anforderungen an die Veranstalter. Vor allem die Bereitstellung von Trinkwasser und Unterkünften bei Temperaturen von bis zu 40 Grad rund um Mekka ist eine Herausforderung. Die Infrastruktur ist während der Hadsch-Zeit oft überlastet.

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