Hooligans und Mode: Die modische Wiederbelebung einer Jugendkultur

Hooligans sind eine Gefahr für Politiker und Gewissenwächter, aber gleichzeitig auch eine riesige Inspirationsquelle für die Modewelt. In letzter Zeit erleben Hooligans eine Art modische Renaissance, die so weit geht, dass sogar weltbekannte Stars wie Rapper Drake öffentlich Kleidermarken aus der Szene tragen. Das bedeutet nicht, dass die Gewaltbereitschaft der Jugendkultur akzeptiert wird, aber zumindest wird das Phänomen genauer untersucht, seitdem auch Kids bei uns in Deutschland Marken wie Stone Island, Ellesse und Reebok für sich entdeckt haben.

Die Hooligan-Szene war und ist keineswegs eine homogene Einheit. Das Bild vom glatzköpfigen Muskelberg mit knallorangefarbenem Bomberjackenfutter gehört längst der Vergangenheit an, besonders durch die Subkultur der Casuals.

Gewalt und Modebewusstsein

In einer dunklen Phase der britischen Gesellschaftspolitik entstanden die Hooligans als Reaktion auf die Restriktionen der Ordnungskräfte. Sie änderten ihr öffentliches Image und nutzten Kleidung als Distinktionsmerkmal und Code untereinander. Ein englischer Polizist würde einen gut gekleideten jungen Mann in italienischen Markenjeans und einem teuren Burberry-Trenchcoat nicht als Hooligan betrachten. Das Modebewusstsein der Casuals ist beeindruckend, und der stilvolle Auftritt in hochwertiger Kleidung diente zunächst als Schutzmechanismus. Doch schnell wurde der Wunsch geboren, diesen Style auch außerhalb des Fußballstadions zu tragen.

Der stilvollste Kerl der Gegend

Die Hooligans begannen ihre Outfits akribisch zusammenzustellen. Selbst Jungs, die nicht bei jedem Auswärtsspiel dabei waren, konnten sich dem Look ihrer Idole annähern. Sie begannen teure Einzelstücke wie gestohlene Armani-Jeans mit alltäglicher Mode und landesweit erhältlichen Sneakers zu kombinieren. Eine Fila-Trainingsjacke mit klassischen Adidas Samba-Schuhen und dazu eine Stone Island-Jacke mit dem ikonischen Windrosen-Patch – und schon war man der stilvollste Kerl der Gegend.

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Es darf nicht vergessen werden, dass den Hooligans auch die Funktionalität ihrer Kleidung wichtig war. Stone Island bot beispielsweise höchstinnovative Mäntel an, die durch ihre mit Gummi bespannte Baumwolloberfläche äußerst robust waren und selbst den widrigsten Bedingungen standhielten. Auch bei den Schuhen wählten die Kunden nicht wahllos aus. Die Reebok Classic Leather-Schuhe waren extrem leicht und aus hochwertigem Leder gefertigt, ideal für Kämpfe (Blut lässt sich leicht vom Leder entfernen) und die anschließende Flucht aus feindlichem Gebiet. Derzeit sind die „Classic Leather“ und das ähnliche Modell „C85“ fast überall ausverkauft. Reebok verdankt das Wiederaufleben des Casual-Looks einen nicht zu vernachlässigenden Teil seines aktuellen Aufschwungs.

Ellesse nutzt die Gelegenheit

Eine Marke, die besonders vom aktuellen Hooligan-Chic profitiert, ist Ellesse. Die italienische Traditionsmarke geriet zunehmend in Vergessenheit, konnte aber pünktlich zum 50. Jubiläum ihres Bestehens ihren Platz in der Premium-Sportmode zurückerobern. Ellesse schießt eine Heritage Collection nach der anderen heraus und nutzt die Gunst der Stunde.

Die Casuals freuen sich darüber, dass ihre Marken und Kleidung jetzt auch von Großstadt-Hipstern und Prominenten getragen werden. Auf Instagram reiht sich ein „Casual Lifestyle“-Account an den nächsten, und Fotos von Stars wie Jason Statham und The Weeknd in Stone Island-Pullovern werden von der Community gefeiert. Mit jedem Prominenten, der öffentlich diese Szene-Marken trägt, wächst die Akzeptanz in der Gesellschaft. Denn heutzutage kann ein guter #ootd-Post viel mehr erreichen als eine unnötige Schlägerei.

Titi And The German Kid